… erinnern Sie sich noch an die Karikaturen mit der Darstellung Mohameds? Die einen dänischen Zeichner neulich locker hätten das Leben kosten können? Das Satire-Magazin Titanic ..

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Eine Lanze für Mixa

April 9, 2010

Erneut hat sich ein Missbrauchs-Opfer des Augsburger Bischofs Mixa gemeldet. Sie sei mit einem Stock von ihm auf den Hintern geschlagen worden (Quelle). Nun muß man sich einmal vor Augen führen, ….

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Jesus sieht anders aus

April 3, 2010

So, BILD spricht mal wieder zuerst mit dem Toten. Der Zimmermann aus Nazareth ist pünktlich zu Ostern in der Neuzeit auferstanden.

Grabtuch von Turin, Foto: AP

Die Blaupause

Die Jungs um Ray Downing haben das Turiner Grabtuch genommen, um eine dreidimensionale Darstellung des Jesus zu erstellen. Reife Leistung.

Schon im September hatte man jeden Zweifel ausgeräumt, bei dem Tuch handle es sich vielleicht nicht um das Grabtuch des Heilands. Klar, hatte er doch sein Grabtuch noch signiert, bevor er es benutzte. Oder seine Mutter. Wie Mütter eben die Unterwäsche kennzeichenen, wenn die Kinder ins Skilager fahren, hat sie es wohl mit seinem Namen markiert.

Ein hübscher Plot. Ganz im Sinne moderner Technik nun auch noch in 3D.
Nur zu dumm, daß der Junge garnicht so aussieht wie Jesus aussehen sollte. Zu dunkel, zu groß, zu gut genährt. Haben wir den Richtigen? Was für eine Ketzerei, wir verehren einfach was wir haben!

http://www.studiomacbeth.com/portfolio/image.htm

Illustration Studio Macbeth

Ein „Experte“, der normalerweise Herzklopf-Bilder wie jenes auf der rechten Seite kreiiert, kann also aus dem Grabtuch, welches in Turin hinter einer dicken Panzerglasplatte im Dom hängt, ableiten: der Inhalt war gut gebaut und „eher dunkelhäutig . Eine italienische „Expertin“ entdeckt – mit Hilfe des Vatikan – einen Schriftzug auf dem Tuch, sinngemäß „Dieses Tuch gehört Jesus von Nazareth“. Hatte ich schon erwähnt, daß ich einige echte Zeitdokumente von Papst Innozenz III. auf dem Speicher habe, die die Geschichte des Tuchs vor dem offiziellen Auftauchen im 14. Jahrhundert dokumentiert?

Wie leichtgläubig muß man eigentlich sein? Oder wie bescheuert? Nebenbei hat BILD selbst ja auch die Fälschung des Tuches bereits im Oktober ’09 vermeldet.

Eigentlich ist nach einer Radiokohlenstoff-Analyse allen klar, daß es wohl um das 12. Jahrhundert entstanden sein muss – aber die Wahrheit interessiert einen echten Verschwörungstheoretiker eben nicht. Außer dem Datum deutet übrigens nichts auf einen Aprilscherz hin.

bild.de (1.April):

Auch wenn das Turiner Grabtuch immer wieder Grund für Spekulationen und Kontroversen war, die daraus entstandene 3-D-Darstellung ist auf jeden Fall ein gewaltiger Fortschritt – und die Vorstellung, in das Antlitz von Gottes Sohn zu blicken, lässt einen jegliche Zweifel für einen Moment vergessen.

Hm, ich bin neulich über ein Blog gestolpert, welches mir – unbeabsichtigt – vorgehalten hat, daß ich einen wichtigen Aspekt vernachlässigt habe: Die Passionsgeschichte. Sagen wir lieber Leidensgeschichte. Passion klingt mir nach fluffigem Eierschaum, aber das ist wohl ein persönliches Ding.

Als ich die Reflektionen zum Aprilscherz schrieb, habe ich diesen Teil des Marketingaspekts unterschlagen: besagte Leidensgeschichte. Wieso? Weil sie eigentlich beliebig ist. Als Marketinginstrument. Ich behaupte, der Mensch hat schon immer eine Vorliebe für Einzelschicksale gehabt. Moderne Medien nutzen das: all die Dramen um Ehrenmorde, Discobesucherunglücke, Zivilopfer in Kundus und, ja auch Kindesmißbräuche, interessieren uns doch erst, wenn sie ein Gesicht haben. Das ist billige Psychologie.

Wieviele Typen hat unser Freund Pilatus ans Kreuz geschlagen? Einen? Drei? Eben. Aber die anderen haben natürlich keinen Leidensweg hinter sich, klar. Alles Jungs aus gutem Haus, Geld wie Heu und ein Leben ohne Entbehrungen. Haben zeitlebens das Maul gehalten und sind bei irgendeiner Dummheit erwischt worden. Nicht der Rede wert. Vernachlässigbar.

Danke, theolounge.

… Kachelmann, der verschmitzte Lieblings-Wetterfrosch? Scheint es auszusitzen, während ihm die Knastbrüder zeigen wollen, wie’s sich anfühlt. Die Vorwürfe sind natürlich haltlos, es ist eine Schändung … äh, Schande.

… Polanski? Der ist immerhin bestätigter Schwerenöter und bereits seit 33 Jahren auf der Flucht – bis vor kurzem. Hat schon einiges hinter sich, der Gute, was vielleicht seine teilweise brillanten, aber immer psychopathologischen Werke erklärt. Hat sich was mit Verjährung, wenigstens schützt man aber die Knackis vor ihm.

… Bischof Mixa? Der sonnt sich mindestens in der Verjährung.  Na, er hat ja auch garnichts gemacht, er doch nicht. Wenn einer schon die moralische Instanz über dem Papst war, als der noch Ratzinger hieß (und natürlich auch nix auf dem Kerbholz der US-Mißbrauchsvorwürfe hat), dann kann er doch niemals … und „zu keiner Zeit gegen Kinder und Jugendliche körperliche Gewalt in irgendeiner Form angewandt“ haben. Die katholischen Kollegen spotten schon, er wisse nicht was er verpaßt habe.

… Michael Jackson? Jacko wartet natürlich auf Ostern. Wiederauferstehung. War er vorher schon schwer zu erkennen, wird dies sicher niemandem auffallen, und dann kann er ganz katholisch die lieben Kleinen molestieren. Nein, nein, nur ein Aprilscherz.

Der erste April also. Tag der Scherze, des „derbleckens“ und hereinlegens. Unter diesem Gesichtspunkt also der ideale Tag, um öffentlich über Ostern zu reflektieren.

Fundamentale Voraussetzung: was ist das eigentlich, Ostern? Eine kleine Auswahl wäre

  • Christliche Freudentage nach Trauertag (Karfreitag),
  • ein verlängertes Wochenende oder
  • eine Zeit der Familienzusammenkunft

und dergleichen. Nach Wikipedia ist es zusammenfassend die Zeit von 50 Tagen beginnend mit dem Verschwinden eines Leichnams, noch dazu dessen eines trotz Bekanntheit verarmten, aufrührerischen Zimmermanns, vor rund 2000 Jahren. Offensichtlich war auch zu jener Zeit das Verschwinden von mausetoten Leichen nicht alltäglich, denn es wurde immerhin zum Anlass des erfolgreichsten Marketings der Menschheitsgeschichte stilisiert. Oder zur erfolgreichsten Verschwörungstheorie dieser Gattung. Der Mensch ist schon eigenartig.

Ganz ähnlich dem Gedanken, wer und wieso denn zuerst die Giftigkeit von Arsen erkundet hat, oder die Nahrhaftigkeit von schimmelnder Milch (heute als Käse bekannt), fragt man sich hier: wie kommt man drauf? Das Verschwinden von Leichen stand zu jener Zeit mangels derselben wohl in keiner Zeitung. Dennoch hat ein kreativer Kopf davon erfahren und eine Story daraus gemacht, die innerhalb kurzer Zeit ganze Gesellschaftssysteme auf den Kopf stellte. Religionsstiftung ist an sich kein schwieriger Prozess, es muß nur genügend Angst und Zweifel durch genügend Versprechen ersetzt werden – wobei etwas Zweifel und Angst bleiben dürfen. In Zeiten ohne Facebook und Xing ist das Problem der sozialen Vernetzung, kurz der Transport der Heilsbotschaft, allerdings enorm. Welchen Aufwand die Marketingstrategen Saul und Simon und Konsorten damals für virales Marketing betreiben mußten, ist heutzutage nicht mehr vorstellbar. Und auch kaum nachzuvollziehen. Sich mal eben auf ein Bier zusammenhocken und eine Religion gründen. Ein Fischer und ein Pharisäer. Respekt.

Wie geht sowas? Ich meine, in dem Ausmaß, in dem das Christentum heute dasteht – namentlich im neuen Testament – wurde die Story anfänglich sicher nicht gestrickt. Viele kreative Köpfe haben später ihren Senf dazu gegeben. Lukas, Markus, Matthäus, Toni und Klausi und wie sie alle hießen. Alle stellten Sie dem Gesagten etwas hizu, ganz Stille Post. Erst später soll dann ein Konzil, eine Diäzöse oder ein Verein christlicher junger Männer das Ganze mal gesichtet haben, den völligen Nonsens weggeschmissen und dem Essay etwas Struktur verpasst haben. Ab da wurde die Glaubensgemeinschaft zur Kirche, war der chaotische Haufen „under new management“ . Soweit so gut.

Interessanter ist für mich allemal, wie es vorher besagtem Pharisäer, Fischer und ein paar anderen, ältlichen Jüngern gelang, eine krude Story um einen fehlenden Körper zu basteln und glaubhaft unter das Volk zu bringen. Oder andersherum, welche Voraussetzungen bringt eine archaische Gesellschaft mit, um da nicht einfach zu sagen: „Hey, wohl an Pessach zu tief in den Krug geschaut, wie?“

Wir haben da eine bunte Gesellschaft aus Aramäern, Armeniern, Byzantiner, Hebräern, Jabusitern, Samariter, Judäer, Stalaktiten und wer weiß was noch, ziemlich schikaniert von römischen Besatzern. Weiters haben wir mindestens lokal verbreitet das Judentum, bereits seit knapp 1500 Jahren gesicherte Einkommensquelle für dortige Priesterschaften und somit ziemlich selbstbewußt.  Naja, und eben die Römer. Der Herodes, Sohn des Herodes hatte sich eben mit einem Tempel verewigt und über den Präfekt Pilatus scheiden sich die Geister. Okay, er war vielleicht ein Anti-Semit, aber laut Bibel ja nur formaljuristisch für den Tod des Zimmermanns verantwortlich. Moralisch wär das den Juden zuzuschreiben, die ohnehin schon jahrelang auf- und herumwiegelten, gegen die Besatzungsmacht. Was man so liest, ergibt sich jedenfalls eher das Bild von einigen Möchtegern-Anarchen, eher gleichgültigen Präfekten mit Erfahrung im blutigen Abwiegeln – die sich im Folgenden die Klinke in die Hand gaben – und jenen quertreibenden Aposteln. Insgesamt fast ruhiger als heutzutage.

Und das soll der Boden für eine Weltreligion sein? Der Mensch ist wahrlich eigenartig. Tatsächlich haben unser tapferen Marketingmissionare der ersten Stunde ja auch eher in fremden Gewässern missioniert, gerade der Pharisäer ist rumgekommen wie ein Neckermann-Kunde. Und es finden sich ja nicht nur Juden als Zielgruppe, auch bekennende Heiden hat der Mann umgedreht und requiriert.

Wie hat er das bloß gemacht? Seine schwülstigen Briefe geben darauf auch nicht unbedingt eine Antwort, sie dienen ja mehr der Fernsteuerung bereits etablierter Gemeinden. Kann man heute noch nach Ephesus, damals so groß wie Rostock heute, reisen, sich befristet eine Wohnung anmieten und auf dem Marktplatz die hiesigen Griechen bezirzen? Ihnen vielleicht ein paar Staatsanleihen aufschwatzen dürfte einfacher sein, als von  Predigten und Erscheinungen eines Handwerkers zu erzählen, den man selbst garnicht kannte. Skepsis ist angebracht, heute wie damals.

Mal unter uns Betschwestern: Der spätere Paulus war aus gutem Haus, beste Ausbildung und versehen mit römischem Bürgerrecht. Offensichtlich hatte er Zeit, Geld genug für ausgedehnte Lust – bzw. Missionsreisen, und phantasievolle Freunde mit Freundesfreunden unter Fischern und Zimmerleuten. Der Schalk saß ihm im Nacken, oder ist selbst auf einen Aprilscherz hereingefallen, und so er hat sich ein paar Prediger zur Verbreitung einer Top-Story gekauft. Gestorben ist er übrigens vermutlich, ganz im Sinne eines unbewußten Nachahmers bin Laden, als Märtyrer. Der Mensch und seine Geschichte sind unglaublich eigenartig.

So, die beiden größten Mißverständnisse, der Aprilscherz und das Christentum, wurden hier also endlich aufgeklärt.