Die feinen Herren der Süddeutschen Zeitung

Mai 12, 2012

Schon wieder, nach genau einem Jahr, bastelt man sich in der Journaille ein kleines Skandälchen. Es geht um nicht weniger als den deutschen Pulitzer für die Wulffgate-Affäre.

Bereits vor genau einem Jahr rüttelte es die deutsche Nation hellwach, als dem Journalisten René Pfister der Henri-Nannen-Preis aberkannt wurde (wir berichteten [1]). Jetzt schlägt die schreibende Zunft erneut zu, brutal und kaltblütig. Und wieder sucht sie sich die Preisvergabe dieses deutschen Pulitzer-Preises als Tatort für den schaurig-schönen Horror aus.

Vorangegangen war nichts weniger als der Rücktritt des obersten Ehrführers der Nation, Bundespräsident Wullff. In seinen zwielichtigen Machenschaften enttarnt und überführt durch Heidemanns und Harbusch – Namen die man sich merken sollte wie Woodward und Bernstein – musste Christian Wulff nicht nur mit gesenktem, schamrotem Haupt sein Amt ablegen, sondern auch dem Staatsanwalt unbequeme Fragen beantworten. Schlimmer noch: wie einst sein amerikanischer Präsidenten- und Ganovenkollege Nixon im Watergate-Skandal [2] hatte Wulff versucht, die Enthüllungen über ihn mit den schmutzigsten Tricks zu verhindern, die ihm zur Verfügung standen. Als deutscher Präsident konnte er nicht auf einen Einbruch durch die CIA zurückgreifen und bediente sich zur Vertuschung seiner abscheulichen Verbrechen eines Telefonanrufes bei den beiden Journalisten, Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch. Doch Wulff konnte die Veröffentlichung von „Wirbel um Privatkredit – Hat Wulff das Parlament getäuscht?“ in der BILD nicht verhindern [3].

1973 wurde die Washington Post für ihre unerschrockene Enthüllung über Watergate, insbesondere also durch Woodward und Bernstein, mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet [4]. Harbusch und Heidemanns sollen nun die die vergleichbare Ehre für vergleichbare Verdienste erlangen.

Doch wehe! Die BILD ist ja nicht die Washington Post! Wie anmaßend, auf der Plattform dieses Revolverblattes, ja Schmierenblattes! halbwegs vernünftigen Journalismus auch nur zu erwarten, geschweige denn auszuzeichnen! So zumindest denken die feinen Herren der Süddeutschen Zeitung, die den Preis – vielleicht schon als Konzession flugs durch zwei geteilt – ebenfalls, für die brutal weltbewegenden Intrigen in der Formel 1, entgegennehmen sollten [5]. Unzumutbar. Die süddeutschen Journalisten wollen so eine würdelose Ehrung nicht. Pfui Deibel!

[1] Egon-Kirsch-Gate
[2] Watergate
[3] Wulffgate
[4] Pulitzer
[5] Süddeutsche Zeitung lieber ungeehrt

Anmerkung: Ich lese die Süddeutsche regelmäßig, die BILD dagegen bestenfalls gelegentlich, und ich bin enttäuscht von so einer arroganten, dämlichen Haltung gegenüber einer mindestens guten journalistischen Arbeit.

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5 Responses to “Die feinen Herren der Süddeutschen Zeitung”


  1. Du hast ja selbst in Deiner Zusammenfassung durchscheinen lassen, dass die Leistung von Heidermann und Harbusch mit der von Woodward und Bernstein nicht vergleichbar ist. In jedem Fall steht die Bild-Zeitung für alles, was Journalismus NICHT sein sollte, und der Henri-Nannen-Preis soll Journalisten ehren, deren Schaffen für das steht, was er sein SOLLTE.

    Die Journalisten der SZ haben absolut angemessen darauf reagiert, dass der Preis in diesem Jahr seine Intention und seine Würde verloren hat. Ein Machwerk wie die Bild, die gewohnheitsmäßig hemmungslos für ihre Auflage und für die Interessen ihrer Lobbyisten lügt und darüber hinaus auch mit missverständlich selektierten und dargestellten Informationen ihre Leserschaft belügt, darf sich nicht auf Grund eines reißerisch/aufklärerischen Artikels, dessen Veröffentlichung zufällig gerade den Eigeninteressen des Blattes diente, dieses Anstand und Niveau suggerierende Feigenblatt umhängen. Es wäre etwas anderes gewesen, wenn dieser Artikel für besonders sorgfältige und mühsamer Rechereche geehrt worden wäre, aber da diese Qualitäten dem Prinzip des Bild-Journalismus völlig entgegen stehen, ist den beiden „geehrten“ Journalisten diese Geschichte vielmehr nahezu unverdient in den Schoß gefallen; ihre jounalistische Leistung bestand lediglich darin, zu veröffentlichen anstatt zu vertuschen, als dies in ihrem eigenen Interesse war.


    • Muss heißen: „mit missverständlich selektierten und dargestellten Informationen ihre Leserschaft manipuliert“

      • neglectable Says:

        Andi, ich überlasse es mal dem Leser, für wie vergleichbar er das hält – eine Augenscheinlichkeit habe ich mal hervorgehoben.
        Um eine andere Analogie an den Haaren zu ziehen: Den Griechen um die Ecke als steuerhinterziehenden, korrupten Faulpelz zu bezeichnen, weil die Griechen als Volk vielleicht in der Presse diesen Eindruck insgesamt vermitteln ist mir zu banal, zu pauschal. Obwohl man mit dem BILD-Journalismus nicht einverstanden sein muss, kann ich dennoch die Arbeit Einzelner entsprechend würdigen. Mindestens am Ergebnis. Meiner Kenntnis nach haben die beiden auch ein Jahr an der Story gearbeitet. Daß ihnen das initial mal „in den Schoß gefallen“ wäre mag sogar sein, so funktioniert das nunmal, meistens.
        Es ist m.E. völlig egal, für was die BILD steht. Es geht um die Aufdeckung und Publikation von Wulffgate durch zwei Journalisten, die sollen dafür geehrt werden. Wenn meine Firma, für die ich mir den Hintern abwetze, morgen wegen Kinderarbeit oder Steuerbetrug in der Zeitung stehen würde, möchte ich auch nicht, daß meine Bekannten mich mit diesem Etikett versehen. So einfach ist das. Diesen Zusammenhang zu ignorieren ist der Mangel an Würde, den ich der SZ hier vorwerfe.


        • Wenn Du als EInkaufsleiter in einer Firma arbeitest, die Billigprodukte in Asien per Kinderarbeit herstellen lässt, mache ich Dich dafür mitverantwortlich. Wenn Du Mitglied in einer Parte bist, die mit fremdenfeindlichen und volksverhetzenden Parolen auf Stimmenfang geht, mache ich Dich dafür mitverantwortlich. Wenn Du als Kunstfotograf Deine Arbeiten auf einem Internetportal präsentierst, auf dem auch Kinderpornografie und Snuff Pictures gezeigt werden, mache ich DIch dafür mitverantwortlich. Und wenn Du als Journalist Beiträge in der Bild-Zeitung veröffentlichst, dann wirst Du völlig zu Recht auch für das Gesamtbild, welches diese Zeitung bietet, mitverantwortlich gemacht. (Und es ist ja nun wirklich nicht so, dass diese Journalisten ansonsten eigentlich gar nichts mit der Bild zu schaffen hätten und nur keine andere Zeitung gefunden haben, welche sich getraut hätte, diese Geschichte zu veröffentlichen, oder?)

          DIe SZ-Journalisten wehren sich mit ihrer Ablehnung des Preises dagegen, dass die Bild-Zeitung dadurch einen Mantel der journalistischen Legitimität erhält. Bild ist nicht einfach nur eine SCHLECHTE Zeitung; sie steht mit ihrer gesamten Konzeption den Prinzipien des guten Journalismus aktiv entgegen, indem sie lügt, manipuliert und hetzt; indem sie verdreht und vernebelt, anstatt zu informieren. Diese Ablehnung hat nichts mit elitärem Bewusstsein und Arroganz gegenüber einem minderwertigen Produkt zu tun, sondern mit der Weigerung, die Verharmlosung und Relativierung eines gefährlichen und schädlichen politischen und wirtschaftlichen Machtinstruments zu akzeptieren.

  2. neglectable Says:

    Okay, Andi. Ich habe Deinen Standpunkt verstanden und akzeptiere ihn. Es ist halt nicht meiner.
    Bei der Ehrung geht es nunmal um die einzelne journalistische Arbeit und nicht um das Instrument Zeitung, den Journalismus insgesamt oder darum, was der Bürger zu lesen hat. Du hast insofern Recht, als daß ich als Einzelner meine Verantwortung im Unternehmen wahrnehme – mich vulgo frei entscheide, ob ich einem manipulativen Käseblatt oder einer renommierten Zeitung dienen will und dies verantworten muss. Wenn ich die schlechtere Wahl getroffen habe, schließt das aber nicht aus, daß ich dem gute, verdienstvolle Arbeit entgegensetzen kann.
    Daß Du mich dann für alles Mögliche mitverantwortlich machst – damit kann ich persönlich leben. :)
    (Vielleicht auch nur, weil Deine Beispiele so an mir vorbeischiessen.)


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