In der Wirtschaft

April 20, 2010

Angeregt durch einen missglückten Aufriss rückt die nächste Wirtschaftskrise wieder ins Blickfeld.

Halleluja, gestern war ich aber rotzvoll. Dabei hatte es ganz harmlos angefangen. Ich begegnete meiner viel zu hübschen, viel zu jungen Nachbarin (22) auf dem Weg zum Zigarettenautomat. Aus einem kurzen Plausch entwickelte ich eine spontane Einladung auf ein Bier. Eines wohlgemerkt.

Zu meiner Überraschung willigte sie ein und wir begannen ein ausgedehntes Zechgelage beim nächsten Griechen. Absichtslos kulminierte unser Gespräch in einer beiderseitigen Beischlafbereitschaft, unwesentlich durch Ouzo und Bier unterstützt, aber jäh ausgebremst durch die Einmischung der blöden Trulla vom Nebentisch. Wenige Ouzo später war es zu spät – verdammt! Wir trugen uns noch gegenseitig bis vor ihr Bett – was für ein Saustall -, nur um dort festzustellen, daß die Rotation doch zu heftig war. Also fiel ich die Treppe wieder runter in mein eigenes Bett, welches mindestens genauso rotierte. Schade, ich hätte ihr mich schön gegönnt.

Erstaunlich katerlos lies ich die wohl einmalige Gelegenheit heute morgen kurz revue passieren. Wie schafft es der Grieche eigentlich, daß seine Wirtschaft nach 20 Jahren immer noch da ist? Ausnahmslos jede Gewerbefläche der Straße hat in der Zeit mindestens zwei Mieterwechsel gesehen, die Bedingungen waren selten zuvor günstiger für Mieter. Die Leerstandsquote beträgt rund 8%, das sind 5,3% mehr als letztes Jahr, am drittgrößten Bürostandort Europas. Das überrascht mich, ich hätte das dramatischer geschätzt.

In den USA etwa betrug die Quotenzunahme 15%, Verkäufe gingen um 70% zurück und dazu fallen die Mieten. Der Spiegel spricht vom nächsten Schock [1]. Vor nichtmal einem Monat berichtete er im selben Tenor von der Immobilienblase Chinas [2], der laut Handelsblatt bereits staatlich strenger reguliert werden soll [3]. Die Wirtschaft dort wächst kräftig, der gemeine Chinese verlangt nach Drittwohnungen (für die Zweit-Geliebte). Überhaupt ist in Asien von der aktuellen Krise wenig zu spüren, es brummt auch in Indien und bei den Tigern. Man könnte auch sagen: es schaukelt sich dort auf. Indien hat nun zum zweiten Mal in kurzer Folge die Zinsen angehoben (was zu meiner Überaschung die Aktien steigen ließ) – Inflationsvorbeugung [4]. Und auch bei uns steigt doch der DAX heute wieder, die Flieger fliegen wieder, die Politik korrigiert Ihre Prognosen nach oben [5] und die FTD sprach kürzlich vom blühenden Jobrekord [6]. Gute Nachrichten eigentlich.

Demgegenüber stehen also die erwähnten Immobilienbefürchtungen zu USA und China, verteuernde Rohstoffe, und die Finanzierung der vergangenen Krise, Griechenlands (und womöglich weiterer PIIGS-Staaten), mit Euroschwäche und Inflationsrisiko im Gepäck. Dazu hatte ich mich ja schon mal ausgelassen [7]. Jetzt lese ich von neuen Summen für Griechenland: unser oberster Banker rechnet eher mit dem fast dreifachen der bisher für Griechenland vorgesehenen Mittel. Für die zunächst veranschlagten 30 Milliarden hat man nun schon Gesetzesvorhaben verschoben, unter anderem – und das wird der deutschen Öffentlichkeit nicht schmecken – betrifft das die Hartz-IV Härtefallregelungen, die neu umgesetzt werden müssen. Das berichtet die Sueddeutsche [8].

Wohin soll das bloß führen? Was wird jetzt? Worauf soll man noch bauen? Immobilie kaufen, wegen Inflation, oder Gold? Am DAX dranbleiben oder doch in SENSEX und Hang Seng investieren? Ich bin doch erst im März abgesprungen! Verdammt, ich habe echt keine Ahnung! Vor der Tür klingelt womöglich schon die nächste, noch größere Krise und mein sauer erarbeitetes ist bald nichts mehr wert. Im eigenen Hof dagegen schreien alle Hurra und es geht wieder aufwärts, alles überwunden, Griechenland schaffte es und Jobs wird’s zuhauf geben. Wohin bewegt sich, bitte, die Wirtschaft?

Ich werde heute Abend also in der Wirtschaft des Griechen vorbeischauen. Da weiß ich wenigstens, was leider nicht geht! (weil nüchtern betrachtet zu jung) Und vielleicht hat er ja einen Rat, ein paar Bier und Ouzo für mich. Ich werde ihn fragen, wie er seit 20 Jahren bei eigentlich lächerlichem Umsatz Wirtschaft betreibt.

[1] US-Immobilienmarkt droht der nächste Schock
[2] Immobilienmarkt in China
[3] … wird bereits reguliert.
[4] Indien hebt Zinsen
[5] Regierung optimistischer
[6] Jobwunder in D
[7] neglectable: Europa gibt Zeus den Laufpass und Update
[8] Geld für Griechenland statt für Hartz-IV

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2 Responses to “In der Wirtschaft”

  1. Auch nur ein Tier Says:

    Bei aller Unentschlossenheit des Artikels kann ich dir in nahezu jedem Punkt zustimmen.
    Nur bei dem ‚zu jung‘ bin ich anderer Meinung. Das ist ein urbaner Mythos ;-)

    • neglectable Says:

      Klar. Ist mehr eine Metapher für ‚zu unerfahren‘.
      ‚Zu hübsch‘ hätte ich ja auch akzeptiert. Man muß bei Frauen auch über diese kleinen Fehler hinwegsehen können. ;-)


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