Irak: ein friedliches und normales Leben

April 5, 2010

Wir haben uns an die Meldungen über Bombenattentate im Irak gewöhnt. Nur die schwersten Anschläge schaffen noch den Sprung in die kleineren Spalten hiesiger Tageszeitungen oder Magazine, um nicht gelesen oder bald vergessen zu werden. Oder interessant kommentiert zu werden:

Das Medienunternehmen Deutsche Welle zitiert im Zuge eines solchen Berichts zu den jüngsten, eben schwereren Anschlägen unsere Außenministerin Catherine Ashton, Verzeihung: die EU Außenbeauftragte Catherine Ashton:

Kein Terroranschlag sollte die Iraker von ihrem Grundrecht auf ein friedliches und normales Leben abhalten„, betonte Ashton. (DW)

Soso. Hm, hm. Da steckt ja einiges drin.

Frau Ashton, ohnehin „schwer umstritten“, erklärt uns und den Iraki damit, wie schön es wäre wenn die Herrschaften dort drüben normal und friedlich weiterschlendern und ihren Geschäftchen nachgehen würden, während es gelegentlich ein bisserl knallt. Klar. Das ist für die ja auch normal. Frau Ashton scheint also eine andere Vorstellung von „friedlich“ zu haben, als die von ihr repräsentierte EU.

Zudem ist es ja auch ein Grundrecht. Grundrechte sind sowieso mal eine eher nationale Angelegenheit. Weil wenige Iraki des Deutschen mächtig sind – und sie auch nicht – spricht sie von „fundamental rights“. Der Engländer als solcher ist da ned kleinlich, also Menschenrechte und Grundrechte sind da das Gleiche? Think big. Aber dann auch wieder nicht, denn „fundamental rights“ ist eigentlich doch wieder die amerikanische Version der Grundrechte.

Wie dem auch sei, Grund- und/oder Menschenrechte waren also gemeint. Ipso facto also das Alltägliche schlecht hin.

Der normal und friedlich dahinspazierenden irakischen Kleinfamilie fliegen bei der ein oder anderen Gelegenheit ein paar Blechteile um die Ohren, gerne vermischt mit Teilen anderer irakischen Kleinfamilien. Papa Iraki bin Irak sieht dann irritiert an sich herunter, auf die Blutspritzer, und motzt seine Frau Gemahlin an: „Herrschaftszeiten, schau‘ Dir die Sauerei an!“ (in der Annahme, daß der Leser des „irakischen“ nicht so mächtig ist, habe ich das gleich übersetzt).

Tja. Voll normal. Was soll unser irakischer Familienvater jetzt machen? Seine besagten Rechte einklagen? Vermutlich ist ihm sein Recht nicht einmal bewußt. Wenn doch, wohin soll er sich wenden? An den europäischen Gerichtshof? Egal, er würde damit ohnehin unweigerlich scheitern. Ein blutverschmierter Kaftan, argumentieren wir, hält ihn ja nicht vom friedlichen und normalen Alltag ab.

Wieso schreibe ich hier darüber? Weil ich der Meinung bin, daß der Mensch als solcher, und (vielleicht) der Politiker im Besonderen, sein ungebremstes Mitteilungsbedürfnis einfach seinem Denkvermögen unterordnen sollte, bevor so ein zynischer Dünnschiß dabei rauskommt. Das Beschriebene ist nur ein exemplarisches Beispiel dafür, daß wir – ich nehme mich da nicht wirklich aus – dazu neigen den größten Bullshit dampfzuplaudern, nur damit was gesagt ist.

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2 Responses to “Irak: ein friedliches und normales Leben”

  1. kallistus Says:

    Jaja, träum weiter, in einem Land in dem Bürgerkrieg wütet gibts keinen Frieden!


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